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Tambora: Tiefblick auf den Ausbruch, der ein Jahr ohne Sommer brachte

2024-06-09

Tambora ist der größte dokumentierte Vulkanausbruch der menschlichen Geschichte. Im April 1815 explodierte dieser Stratovulkan auf der indonesischen Insel Sumbawa mit einem geschätzten VEI 7 – dreimal so groß wie Krakatau. Der Berg verlor etwa anderthalb Kilometer Höhe. Die Klimafolgen waren global noch jahrelang zu spüren.

Ein Stratovulkan auf Sumbawa

Tambora erhebt sich auf der Sanggar-Halbinsel Sumbawas in den Kleinen Sunda-Inseln. Vor 1815 war er rund 4 300 Meter hoch und einer der höchsten Gipfel Ostindiens. Heute reicht er bis 2 850 Meter und trägt eine sechs Kilometer breite, ein Kilometer tiefe Caldera auf dem Gipfel.

Die Vorboten

Tambora hatte schon einige Jahre vor April 1815 Asche und kleine Ausbrüche produziert. Die klimaktische Phase begann mit einem starken Ausbruch am 5. April und gipfelte am 10. und 11. April in einer Serie paroxysmaler Explosionen, die 2 000 Kilometer entfernt hörbar waren. Pyroklastische Ströme rasten über die Halbinsel und ins Meer.

Die unmittelbaren Toten

Schätzungen der unmittelbaren Todesopfer reichen von rund 10 000 bis über 70 000 – je nach Quelle. Pyroklastische Ströme löschten das Königreich Tambora an den Hängen des Berges aus – mit ihm eine ganze Sprache und Kultur. Hunger und Seuchen in den Folgemonaten töteten in der Region viele weitere.

Das Jahr ohne Sommer

Rund 100 Kubikkilometer Magma wurden gefördert, und eine beträchtliche Sulfataerosolschicht erreichte die Stratosphäre. 1816 wurde in Europa und im Osten Nordamerikas zum „Jahr ohne Sommer". In Neuengland fiel im Juni Schnee, in Europa fielen Ernten aus, und der Ferienaufenthalt an der Villa Diodati am Genfersee schenkte der Welt in jenem Sommer Frankenstein und die moderne Vampirgeschichte.

Tambora und die Weltgeschichte

Die Hungersnöte von 1816 lösten Wanderungen, Brotunruhen und politische Spannungen aus. Die Cholera im Golf von Bengalen verschärfte sich; die Getreidepreise in Europa verdoppelten sich. Der Ausbruch ist einer der seltenen Fälle, in denen ein einzelnes geologisches Ereignis Weltgeschichte und Demographie messbar gebogen hat.

Die verlorene Kultur

Archäologen haben unter Tamboras pyroklastischen Ablagerungen das sogenannte „Pompeji des Ostens" freigelegt – Holzhäuser, Reis in Töpfen, verkohlte Knochen. Die Ausgrabungen bei Pekat dauern an. Die Tambora-Sprache ist nur in einer kurzen Wortliste vor dem Ausbruch erhalten.

Die Caldera heute

Die Tambora-Caldera ist eine der am leichtesten zugänglichen großen Vulkancalderen der Welt. Mehrtägige Trekkings führen vom Dorf Pancasila auf den Rand, wo der Boden einen Kilometer unter den Füßen liegt. Vom zentralen Kegel steigen weiter bescheidene Fumarolen auf.

Überwachung und aktuelle Gefahren

Tambora wird vom indonesischen Zentrum für Vulkanologie und Geogefährdungen überwacht. Die Aktivität ist seit Jahrzehnten gering, die Caldera aber lebt – das System, das 1815 lieferte, ist nicht verschwunden. Eine Wiederholung in menschlicher Zeitskala ist unwahrscheinlich, geologisch aber nicht ausgeschlossen.

Warum Tambora wichtig ist

Tambora ist die Erinnerung der modernen Welt daran, wie ein wirklich großer Ausbruch aussieht. Er ist der Maßstab, an dem Pinatubo, Mount St. Helens und Krakatau gemessen werden. Und er ist der Vulkan, der den Planeten kurz abkühlte, Mary Shelleys Sommer zerstreute und das „Jahr ohne Sommer" in die Sprache schrieb.

Auf der Karte

Öffne die Karte und finde Tambora auf der Sanggar-Halbinsel Sumbawas. Rinjani auf Lombok und Agung auf Bali setzen den Sundabogen westlich fort; Krakatau liegt weiter westlich in der Sundastraße.