Popocatépetl: Tiefblick auf Mexikos rauchenden Berg
Der Popocatépetl ist einer der folgenreichsten aktiven Vulkane der Erde – nicht, weil er in jüngster Zeit besonders zerstörerisch gewesen wäre, sondern wegen derer, die in seinem Schatten leben. Im Umkreis von hundert Kilometern um seinen 5 426 Meter hohen Gipfel leben fast 25 Millionen Menschen, darunter die Bevölkerung von Mexiko-Stadt. Der Berg ist seit 1994 ununterbrochen unruhig.
Ein vergletscherter Stratovulkan im Querriegel
Der Popocatépetl, „Popo", liegt auf dem trans-mexikanischen Vulkanriegel, der das zentrale Mexiko von West nach Ost durchquert. Sein erloschener Nachbar, der Iztaccíhuatl („Izta"), ist eine lange Bergkette nördlich davon und erinnert an eine schlafende Frau. Beide ragen aus dem Becken von Mexiko-Stadt auf und sind an klaren Tagen von der Stadt aus zu sehen.
Eine lange Vulkangeschichte
Der Berg hat sich in mehreren Episoden über 730 000 Jahre aufgebaut. Gewaltige Einstürze in prähistorischer Zeit schickten Trümmerlawinen bis dorthin, wo heute Puebla steht. Plinianische Ausbrüche im neunten und vierzehnten Jahrhundert hinterließen dicke Bims- und Aschelagen, die Archäologen rund um das Becken noch immer in Bohrkernen finden.
Das Erwachen 1994
Popocatépetl hatte rund siebzig Jahre Ruhe gegeben, als am 21. Dezember 1994 ein Ascheausbruch die Aktivität neu zündete. Seither ist der Vulkan mehr oder weniger durchgängig aktiv: ein langsam wachsender Lavadom am Gipfel, regelmäßige Explosionen, die ihn zerstören, und nahezu tägliche Aschefahnen in der Hauptwindrichtung.
Leben im Schatten
Die Orte Atlixco, Cholula und Amecameca liegen dicht unter dem Kegel. Schulen üben Evakuierungen; der Flughafen Mexiko-Stadts hat Notfallpläne für Asche auf den Bahnen. Die meiste Zeit jedoch geht das Leben weiter, als wäre der rauchende Gipfel Kulisse und keine Drohung – weil er meistens auch nur das ist.
Der Paroxysmus 2023
Im Mai 2023 trat der Berg in eine ungewöhnlich aktive Phase ein, mit mehreren großen Explosionen, die Asche bis 15 Kilometer hoch schickten und Flüge nach und aus Puebla und Mexiko-Stadt ausfallen ließen. Der Warnpegel stieg auf „Gelb Phase 3", die höchste vor Pflichtevakuierung. Die Phase ging ohne Katastrophe vorbei, verschob aber, was die Behörden für plausibel halten.
Das Wanderverbot
Bis Ende der 1990er war der Popo ein beliebtes Bergsteigerziel – einer der leichteren 5 000er Nordamerikas. Seit dem Wiederbeginn ist der Vulkan für Bergsteiger gesperrt. Wanderer können noch den Paso de Cortés zwischen Popo und Izta erreichen, mit unvergesslicher Aussicht.
Überwachung
Das mexikanische Nationale Katastrophenschutzzentrum CENAPRED betreibt das Überwachungsnetz – eines der umfassendsten Lateinamerikas: Seismometer, GPS, Infrarotkameras und SO₂-Messung. Die tägliche Aktivität vorherzusagen ist Routine; die Herausforderung liegt darin, die seltene Möglichkeit eines deutlich größeren Ereignisses zu kommunizieren.
Warum der Popocatépetl wichtig ist
Der Popocatépetl ist wegen Geografie wichtig. Ein bescheidener VEI-3-Ausbruch in der falschen Windrichtung schließt den größten Flughafen Lateinamerikas. Ein größeres Ereignis würde testen, ob die drittgrößte Stadtregion der Welt Millionen kurzfristig evakuieren kann. Die ununterbrochene niedrige Aktivität ist die meistbeobachtete Generalprobe der Vulkanologie.
Auf der Karte
Öffne die Karte und finde den Popocatépetl zwischen Mexiko-Stadt und Puebla. Iztaccíhuatl erhebt sich direkt nördlich; weiter östlich auf dem Riegel markieren Nevado de Toluca, La Malinche und der Pico de Orizaba die Kette.