Krakatau: Tiefblick auf den Vulkan, der die Welt erschütterte
Der Krakatau ist der Vulkan, der die Weltnachrichten erstmals zu einem fast in Echtzeit verfolgten Ereignis machte. Sein Ausbruch 1883 in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra erzeugte das lauteste in der Neuzeit dokumentierte Geräusch, Tsunamis, die mehr als 36 000 Menschen töteten, und einen Aerosolschleier, der die Sonnenuntergänge in Europa jahrelang rot färbte.
Eine Caldera in der Sundastraße
Vor 1883 war der Krakatau eine kleine Inselgruppe aus drei vulkanischen Eilanden in der Sundastraße. Unter ihnen lag eine viel ältere Caldera, hinterlassen von einem gewaltigen prähistorischen Ausbruch. Das Ereignis 1883 höhlte den größten Teil des zentralen Baus aus; der Rest – Rakata – stürzte in eine neue submarine Caldera, rund 250 Meter tief.
Die Katastrophe von 1883
Der Ausbruch gipfelte am 26./27. August 1883 in einer Folge von vier ungeheuren Explosionen. Die vierte war so laut, dass sie 4 800 Kilometer entfernt auf Rodrigues bei Mauritius gehört wurde. Pyroklastische Ströme rasten auf Dampfkissen übers Meer. Tsunamis bis zu 30 Meter hoch trafen die Küsten Javas und Sumatras.
Die Toten und die Tsunamis
Die meisten Opfer fielen nicht der Lava oder Asche zum Opfer, sondern den Tsunamis. Ganze Dörfer an Javas Westküste und Sumatras Südküste wurden weggespült. Westanyer verlor seinen Leuchtturm. Zweitausend Kilometer entfernt registrierten Pegel in Südafrika die Welle, im Pazifik schaukelten Häfen tagelang.
Globale Klimawirkung
Rund 20 Kubikkilometer Material erreichten die Stratosphäre. Die Aerosolschicht senkte die globale Durchschnittstemperatur mehrere Jahre um etwa ein halbes Grad. Die Sonnenuntergänge in Europa und Nordamerika nahmen ein eigenartig leuchtendes Rot an – jene Farbe, die Edvard Munch später in „Der Schrei" festhielt, dessen Himmel möglicherweise ein Krakatau-Himmel ist.
Die Geburt des Anak Krakatau
1927 brach ein neuer Schlot durch die Oberfläche der 1883er Caldera. Der daraus wachsende Kegel – „Kind des Krakatau", Anak Krakatau – wurde zu einem der aktivsten Vulkane Indonesiens. 2018 war er rund 400 Meter hoch. Im Dezember 2018 stürzte die Südwestflanke ins Meer und löste einen Tsunami aus, der entlang der Sundastraße hunderte Menschen tötete.
Was vom Kegel blieb
Nach dem Einsturz 2018 verlor Anak Krakatau in Minuten rund zwei Drittel seiner Höhe. Er baut sich heute wieder auf, mit häufigen strombolianischen Ausbrüchen, die von Javas und Sumatras Küsten in klaren Nächten zu sehen sind. Veranstalter in Carita und Anyer bringen Boote bis an die Caldera.
Überwachung und Warnsysteme
Der Tsunami 2018 legte eine Schwäche im indonesischen Warnsystem offen: Flankeneinsturz-Tsunamis können ohne Erdbeben auftreten, und die seismische Auslöselogik üblicher Tsunamibojen erkennt sie nicht unbedingt. Inzwischen wurden bessere Küstenpegel und kontinuierliche SAR-Satellitenüberwachung des Vulkans installiert.
Warum der Krakatau wichtig ist
Der Krakatau ist der Ausbruch, der der modernen Welt zeigte, dass ein einzelner Vulkan das Klima verändern kann. Er ist der Maßstab, an dem wir über Riesenexplosionen denken. Und Anak Krakatau erinnert: Das System ist nicht zu Ende, nur in einer Pause.
Auf der Karte
Öffne die Karte und finde Anak Krakatau in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra. Der indonesische Bogen läuft östlich weiter über Tambora und Rinjani, westlich in die große Kette Sumatras.