Maare und phreatische Ausbrüche: wenn Wasser auf Magma trifft
Einige der heftigsten Ausbrüche der Erde werden nicht von Magma allein, sondern von Wasser angetrieben. Wenn heißes Magma oder heißes Gestein auf Grundwasser trifft, kann das Wasser augenblicklich in Dampf umschlagen, sich um das Hundertfache ausdehnen und eine Explosion auslösen. Diese dampfgetriebenen Explosionen, bekannt als phreatische und phreatomagmatische Ausbrüche, können breite Krater, sogenannte Maare, graben und stellen eine besondere Gefahr dar, weil sie oft mit wenig Vorwarnung zuschlagen.
Die Kraft des verdampfenden Wassers
Wasser dehnt sich beim Übergang in Dampf ungeheuer aus. Geschieht dies nahezu augenblicklich, tief unter der Erde und unter Druck, ist das Ergebnis eine kraftvolle Explosion. Bei einem rein phreatischen Ausbruch verdampft die Hitze des Vulkans Grundwasser, ohne dass frisches Magma die Oberfläche erreicht; die Explosion wirft zertrümmertes älteres Gestein und Asche aus. Bei einem phreatomagmatischen Ausbruch tritt aufsteigendes Magma selbst direkt mit Wasser in Wechselwirkung und zerfetzt heftig zu feiner Asche.
Was ein Maar ist
Ein Maar ist die Landform, die durch diese explosiven Wasser-Magma-Wechselwirkungen entsteht. Statt einen Kegel zu bauen, sprengt die Explosion einen breiten, niedrigrandigen Krater in den Boden, oft nur von einem niedrigen Ring ausgeworfenen Geröll umgeben. Da Maare typischerweise unter den Grundwasserspiegel reichen, füllen sie sich häufig mit Wasser zu nahezu kreisrunden Kraterseen. Sie gehören zu den unverwechselbarsten und friedlichsten Erzeugnissen heftigen Vulkanismus.
Die Maare der deutschen Eifel
Die Eifel in Deutschland ist die klassische Heimat der Maare – das Wort selbst stammt aus dieser Gegend. Hier erzeugte ein junges Vulkanfeld zahlreiche Maare, von denen viele heute schöne runde Seen bergen, etwa in den Gebieten um Daun und Gillenfeld. Diese stillen Tümpel, von Wald umringt, verbergen den explosiven Ursprung, der sie schuf, und das Feld gilt als geologisch jung und nicht gänzlich erloschen.
Maare in aller Welt
Maare finden sich in Vulkanregionen rund um den Globus, vom Pinacate-Feld in Mexiko und den Vulkanebenen des westlichen Nordamerika bis zu den Maaren Australiens, dem Massif Central in Frankreich und vielen anderen Schauplätzen. Überall, wo aufsteigendes Magma auf reichliches Grundwasser trifft, bestehen die Bedingungen, um diese breiten Explosionskrater zu erzeugen, was sie zu einer verbreiteten Erscheinung monogenetischer Vulkanfelder macht.
Die Gefahr phreatischer Ausbrüche
Phreatische Ausbrüche sind besonders gefährlich, weil sie mit wenig oder gar keiner Vorwarnung auftreten können. Da sie nicht zwingend frisches Magma erfordern, das sich zur Oberfläche bewegt, fehlen ihnen oft die klaren seismischen Vorboten, die magmatische Ausbrüche ankündigen. Der Ausbruch des Ontake in Japan 2014, eine phreatische Explosion, die Dutzende Wanderer tötete, ist eine tragische Veranschaulichung dafür, wie plötzlich solche Ereignisse zuschlagen können, selbst an bekannten Vulkanen.
Hydrothermale Explosionen
Eng verwandt sind hydrothermale Explosionen, bei denen überhitztes Wasser, das in einem vulkanischen oder geothermischen System eingeschlossen ist, plötzlich in Dampf umschlägt und Gestein und Schlamm hinausschleudert. Diese treten in geothermischen Gebieten wie Yellowstone in den USA und den Geothermalfeldern Neuseelands auf, wo sie Krater sprengen können, ganz ohne Beteiligung frischen Magmas, allein angetrieben von der bereits im Boden gespeicherten Hitze.
Die Aufzeichnung lesen
Für Vulkanologen sind Maare und phreatische Ablagerungen wichtige Hinweise auf die Vulkan- und Grundwassergeschichte einer Region. Die geschichteten Ablagerungen um ein Maar halten die Abfolge der Explosionen fest, während die Seesedimente, die sich im Krater ansammeln, Jahrtausende der Umweltgeschichte bewahren können, was Maarseen zu wertvollen Archiven für Klima- und Ökologieforschung macht.
Auf der Karte
Von den heiteren, mit Seen gefüllten Maaren der deutschen Eifel bis zu den Explosionskratern der Vulkanfelder weltweit haben wassergetriebene Ausbrüche eine unverwechselbare Spur in der Landschaft hinterlassen. Erkunden Sie diese Erscheinungen auf der interaktiven Karte – filtern Sie nach Region, um zu sehen, wo das heftige Aufeinandertreffen von Wasser und Magma die Erdoberfläche geformt hat.